Auf den Spuren von Wasseramseln und Pilzen im Küsnachter Tobel
Die Exkursion des Vereins Natur- und Vogelschutz Maur–Zumikon (NVMZ) am Samstag, 29. August 2026, bot den rund 20 Teilnehmenden vielseitige Einblicke in Lebensräume des Küsnachter Tobel, nach einer langen, noch nie dagewesenen Trockenperiode.
Zu Beginn wurde die Frage diskutiert, wie sieht der Wald der Zukunft aus angesichts des Klimawandels. In tieferen Lagen werde wahrscheinlich die Buche verschwinden und durch besser abgepasste Bäume, wie z.B. Eichen oder die Elsbeere, ersetzt.
Entlang des Chliweidlibachs, unterhalb der früheren Kläranlage, zeigte Exkursionsleiter Michael Gerber eine unter einer Brücke angebrachte Nisthilfe für Wasseramseln. Die Nisthilfe war auf Initiative des NVMZ kürzlich dort angebracht worden. Sie soll den Lebensraum der Wasseramseln über den Küsnachter Dorfbach hinaus ausweiten. Das Küsnachter Tobel ist einer der wichtigsten Schwerpunkte der Wasseramsel im Kanton Zürich. Experten gehen davon aus, dass zwischen Küsnacht und dem Pfannenstielgebiet, wo der Bach entspringt, 12 bis 20 Paare leben. Die markant schwarz-weiss gefärbte Vogelart ist auf kühle Bäche angewiesen, da nur in diesen ihre Hauptnahrung – die Larven von Köcherfliegen und anderen Insekten – in genügender Menge zur Verfügung steht. Diese erbeutet die Wasseramsel auf spektakulären Tauchgängen. Trotz der eher ungünstigen Jahreszeit konnten wir im unteren Abschnitt des Tobels mehrere Individuen beobachten, darunter auch Jungvögel.
Hauptthema der Exkursion waren jedoch die Pilze, über die Vorstandsmitglied Adrian Leuchtmann, Mykologe und emeritierter Professor, überraschende Fakten bereit hielt. So sind Pilze etwa keine Pflanzen sondern eine unglaublich vielfältige Lebensform, die ein eigenes Reich neben Tieren und Pflanzen bilden. Da sie selber kein Kohlendioxid aufnehmen und eigenen Zucker produzieren können, sind sie auf Pflanzen angewiesen, welche ihnen diese lebenswichtige Energiequelle bereitstellen. Besonders eindrücklich zeigt sich dies bei den sogenannten Mykorrhiza-Pilzen, die direkt mit den Wurzeln von Waldbäumen in Verbindung stehen. Dabei wird bis zu einem Viertel des von einem Baum gebildeten Zuckers von den Pilzen verbraucht. Im Gegenzug liefert der Pilz dem Baum mineralische Nährstoffe und Wasser.
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit zeigten sich im Küsnachter Tobel keine der bekannten Speisepilze, wie Eierschwämme oder Steinpilze. Adrian Leuchtmann hielt jedoch mehrere Pilze bereit, die er tags zuvor in einem feuchteren Lebensraum auf dem Ricken gefunden hatte. An diesen Beispielen demonstrierte er anschaulich, wie Pilze aufgebaut sind und wie man anhand der sporenbildenden Strukturen auf der Hutunterseite wichtige Pilzgruppen unterscheiden kann.
Pilze haben erstaunliche Fähigkeiten Trockenheit zu überdauern. Zum einen bilden sie ausdauernde Sporen, die bei Feuchtigkeit schnell keimen und neue Fruchtkörper bilden können. Dies liess sich an einem Düngerling beobachten, der am Wegrand bereits kurz nach den Regenfällen der Vorwoche zahlreiche kleine Fruchtkörper gebildet hatte. Eine andere Strategie ist das Ausharren von widerstandsfähigen Teilen der Fruchtkörper oder von dickwandigen Pilzfäden in totem Holz. Setzt Regen ein, wird der Pilz wiederbelebt und kann in kürzester Zeit neue Fruchtkörper bilden. Dies ist zum Beispiel bei der duftenden Fencheltramete oder der wunderschönen Strigeligen Tramete der Fall. Beide konnten auf der Exkursion beobachten und sahen, wie sie ihr Wachstum wieder aufnehmen.
Ein abschliessendes Thema war dem sogenannten Eschentriebsterben gewidmet. Diese verheerende Krankheit der Esche wird von einem aus Ostasien eingeschleppten Pilz verursacht (Hymenoscyphus fraxineus), welcher zuerst Blätter und Triebe und später Teile des Stammes und auch die Stammbasis befällt. Dies führt, oft auch begünstigt durch sekundäre Schädlinge wie Hallimasch, zum Umfallen oder Absterben des Baumes. Der Pilz überwintert in den am Boden liegenden Blatteilen und bildet im Juli/August kleine weisse, gestielte Becherchen, die wir in grosser Zahl unter einer befallenen Esche finden konnten. Wegen dieser Krankheit sind die Eschen in Mitteleuropa in ihrer Existenz bedroht. Es besteht aber die Hoffnung, dass resistente Bäume überleben werden und so vielleicht eine neue Generation von gesunden Bäumen heranwachsen kann.
Nach etwa drei Stunden erreichten wir Küsnacht, wo wir noch eine letzte Wasseramsel sichteten. Zufrieden und reich an neuen Eindrücken aus dem faszinierende Reich der Pilze traten wir schliesslich die Heimfahrt an. (Felix Müller/al)