Das Comeback des Steinkauzes!
Eine spannende Geschichte über die Förderung und erfolgreiche Wiederansiedlung des Steinkauzes in Gebieten der Schweiz
Am vergangenen Montag hat Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz, einen eindrücklichen Vortrag über die lange Geschichte des "Steinkauzprojekt" von BirdLife Schweiz gehalten. Die Veranstaltung in Zumikon war mit fast 40 Personen ausserordentlich gut besucht, wobei erfreulicherweise auch etliche Angehörige unserer Nachbarvereine anwesend waren.
Raffael Ayé hat sich seit den 90er Jahre intensiv mit dem Steinkauz auseinandergesetzt. Mit seinem fundierten Wissen gab er uns einen spannenden Einblick in das Projekt zur Förderung des Steinkauzes, an dem er massgeblich beteiligt war.
Der Steinkauz (lat. Athene noctua) ist ein Standvogel, dessen Brutpaare ein festes Revier haben. Er bewohnt offene Landschaften und ist teilweise tagaktiv, worin er sich vom bei uns häufigen Waldkauz unterscheidet. Der Steinkauz brütet in Baumhöhlen oder Gebäudenischen und ernährt sich hauptsächlich von Mäusen, Insekten und Würmern, manchmal aber auch von kleinen Schlangen und Amphibien. Noch in den 1950er Jahren gab es in der Schweiz über 1000 Brutpaare. Diese Bestände schrumpften in der Folge stetig bis um das Jahr 2000 mit nur noch 50 Brutpaaren die Art in der Schweiz kurz vor dem Aussterben stand. Gründe für diesen Rückgang waren die Zerstörung der Lebensgrundlage des Steinkauzes in Teilen der Schweiz, namentlich der Verlust von Obstgärten mit Hochstammbäumen, die grossflächige Umwandlung von extensivem Wiesland in Äcker, die zu hohen Tierbestände mit daraus folgender Überdüng und vieles mehr. Dem sollte das Artenförderungsprogramm "Steinkauz" von BirdLife Schweiz entgegenwirken.
Bis der Steinkauz allerdings zurückkam, wie Raffael Ayé schilderte, war es ein langer, steiniger Weg, der von vielen Rückschlägen geprägt war. Zum Beispiel brachte das Aufstellen von Nistkästen anfänglich keinen Erfolg, bis man einen speziellen, mardersicheren Nistkasten entwickeln konnte. Besonders in der Nordwestschweiz führte schliesslich eine Kombination von Massnahmen zum Erfolg. Diese beinhalteten, neben dem Aufstellen von Nistkästen, die Neuanlage von Obstgärten, die Pflege von extensiven Grünflächen und die Förderung von Weideland. Auch von Naturwegen kann der Steinkauz profitieren. Steinkäuze sind nämliche ausgezeichnete Läufer und können dort leicht Jagd auf Mäuse und andere Kleintiere machen. Ein weiterer Aspekt dieser Erfolgsgeschichte ist, dass auch andere Arten profitieren, wie etwa Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke, Neuntöter und sogar der Wiedehopf. In der Nordwestschweiz konnte zum Beispiel 2023 nach über 40 Jahren wieder ein Bruterfolg beim Wiedehopf registriert werden.
Schliesslich äusserte sich Raffael Ayé auch über die weitere Zukunft des Waldkauzes in der Schweiz. Mit gegenwärtig 160 Brutpaaren sei der Bestand noch nicht gesichert. Damit ein langfristiges Überleben möglich ist, sollten etwa 300 Brutpaare in verschiedenen Teilen der Schweiz leben. Damit dies möglich wird stünden hauptsächlich zwei Massnahmen im Fokus, nämlich das Schaffen von weiteren geeigneten Lebensräumen und die Beseitigung von schädlichen Subventionen, welche für die Landwirtschaft falsche Anreize setzt.
Nach 25 Jahren unermüdlichen Einsatzes für die Artenförderung hat Raffael Ayé eine wichtige Botschaft an uns alle: "Naturschutz funktioniert!" wenn Ressourcen auf allen Ebenen (Bund, Kantone, Landbesitzer) gemeinsam und effizient genutzt werden. (al)